Blick in den Reiseteil: Von Nahost bis Fernost und die Erzählungen des Meeres



Süddeutsche Zeitung | 21.04.2011

Sport und Entspannung in Bergeshöhen...
so könnte der heutige Reiseteil der SZ überschrieben sein.

-

Den Anfang macht Antje Weber. Sie berichtet über “El Mundialito”, die “Kleine Weltmeisterschaft”. Ein Fußballturnier der Otavalo in den Anden von Ecuador. Die Indianer sind als Textilhändler und Panflötisten über die ganze Welt verstreut, doch einmal im Jahr kehren sie heim zum “Pawkar Raymi”-Fest in ihrem kleinen Dorf Peguche. Ausgewanderte und Daheimgebliebene messen dann ihre Kräfte im gemeinsamen Lieblingssport. An diesem Beispiel zeigt die Autorin die erstaunliche Fähigkeit der Otavalos Altes mit Neuem zu verbinden und so ihre verstreute Gemeinschaft am Leben zu erhalten.

Anne Alichmann berichtet zwar auch über eine sportliche Leistung in Bergeshöhen, aber einer von gänzlich anderer Art. Ihr Artikel handelt von “Otti” dem inzwischen enttarnten “Phantom vom Breitenstein”. Da steigt also seit zehn Jahren jeden Tag ein Mann auf den 1622 Meter hohen Berg im Mangfallgebirge an der deutsch-österreichischen Grenze, am Wochenende sogar dreimal, und hinterlässt jedes Mal eine Notiz im Gipfelbuch. Wolfgang Schönauer heißt er und 40 Minuten braucht er für einen Weg. Eine respektable Leistung, aber muss man darüber in einer überregionalen Zeitung berichten? Ich hab ein bisschen gegähnt beim Lesen. Trotzdem muss der Breitenstein etwas Besonderes haben, wenn ein Mann danach
süchtig werden kann, ihn zu besteigen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann auf der
Kesselalm in1285 Metern Höhe übernachten. Schließlich rennt nicht jeder so einen Berg in anderthalb Stunden hoch und runter.

In den weitgehend verwaisten Gängen und Hallen des früheren Hotels Intercontinental auf dem jerusalemer Ölberg hat sich Kolja Reichert umgesehen. Durch die sieben Bögen der großen Glasfront erblickt man “das beste Panorama der Stadt”, 7Arches heißt das Haus darum heute. Doch der Name ist das einzige, was sich geändert hat seit den 60er Jahren, als hier 1964 die PLO gegründet wurde, drei Jahre bevor das Hotel im Besitz des jordanischen Königshauses unter israelische Verwaltung geriet. Es gibt keine Wellness-Bäder, kein W-LAN und nur wenige Gäste. Niemand fühlt sich so recht verantwortlich und so ist das 7Arches in einem Schwebezustand hängengeblieben. Erstaunlich, dass es trotz der fehlenden Investitionen noch nicht abgestürzt ist. Es ist “ein Schwellenort steckengeblieben zwischen Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart”. Die im Artikel erzeugte Atmosphäre macht Lust diesen Ort, den die Geschichte zwischen alle Stühle gesetzt hat, zu esuchen. Ein Doppelzimmer gibt es ab 87 Euro pro Nacht.

Unter der Rubrik Reisebuch stellt strong>Stefan Fischer heute “Fontane-Land” vor. Einen Aquarell-Band von Hans-Jürgen Gaudeck, der mit den detaillierten Beschreibungen Theodor Fontanes in “Wanderungen durch die Mark Brandenburg” spazieren geht, ohne dem großen Schriftsteller stur in dessen Fußstapfen zu folgen. Erhältlich für 19,90 Euro.

Anne Alichmann präsentiert uns Mit 80.000 Fragen um die Welt eine Sammlung der Reiseerlebnisse von Dennis Gastmann, die er machte während er für das gleichnamige Format des NDR-Auslandsmagazins “Weltbilder” in alle Herren Länder reiste - im Gepäck die zuweilen naiven, skurillen, wohl auch nicht immer ganz ernst gemeinten Fragen der Zuschauer. Erhältlich für 16,95 Euro

Den Abschluss macht eine Sonderseite über Südtirol. Johanna Pfund erzählt von den Einrichtungen eines Familienhotels im Grödner Tal, das nicht nur Groß und Klein die Möglichkeit bietet, gemeinsam Spass zu
haben, sondern den Eltern und Kindern auch eine gewisse Pause von einander gönnt. Die im Hotel angestellten Erzieherinnen orientieren sich
dabei an einem Farbsystem, das ein wenig an einen Ziegenstall erinnert: “Bändchen in verschiedenen Farben signalisieren dem Personal, ob das
Kind Allergien hat, oder ob es spezielle Nahrung braucht.” Na ja, solange es funktioniert.


Werner Schmidt hingegen erzählt die Geschichte eines familiengeführten Hotels im Dorf
Tirol. “Es gibt sie landauf und landab, die feinen und gepflegten Häuser, in denen die Besitzer, oft in der zweiten und dritten
Generation, das Regiment führen und tunlichst darauf achten, dass es den Gästen an nichts gebricht.” Das Haus seiner Wahl ist der
Golserhof, der sich innerhalb der letzten 70 Jahre von einem Bauernhof mit “einer sehr kargen Gästeunterkunft über eine Pension zu einem vortrefflichen Hotel gemausert hat”, vier Sterne, Hallenbad, Fitness- und Wellnessbereich und ein beheizter Außenpool inklusive.
---


Den gesamten Reiseteil finden Sie unter Reisebasar.de: Blick in den Reiseteil: Von Nahost bis Fernost und die Erzählungen des Meeres (24.04.2011)


Trackbacks

    Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

    Noch keine Kommentare


Kommentar schreiben


Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA